Tourscouting Rumänien

Fazit: ACT Rumänien – Großartig
Und trotzdem nichts für MotoMinds.
4.545 Kilometer, neun Tage, mehrere Bären. Am Ende steht ein klares Urteil und so viel vorweg:
Der ACT Rumänien ist großartig. Und trotzdem nichts für MotoMinds. Auf diesem Track kämpfst Du den ganzen Tag mit Distanz und Schlamm bei Regen. Die Konzentration, die der Track dauerhaft von Dir verlangt, ist hoch. Auf einem RIDE trägt das Fahren Deine Klarheit. Auf diesem Track müsste ich dafür sorgen, dass Du ankommst. Und Deine Sicherheit ist wichtiger.
Ich suche immer nach Strecken für MotoMinds. Dabei geht es um gut fahrbare Tracks, um selbst entdeckte Routen sowie bekannte Tracks wie z.B. den ACTs oder TETs, die ich auf ihre Nutzbarkeit für MotoMinds überprüfe. Vom 17. bis 25. Juli 2026 war der ACT Rumänien dran, zusammen mit meinem langjährigen Freund und Wegbegleiter Timo. Ich bin gestartet mit der Frage, ob sich der ACT Rumänien oder Abschnitte daraus eignen, um sie mit MotoMinds und seinen Kunden zu fahren.
Hier ist der Bericht. Viel Spaß beim Lesen!
Anreise: Rumänien ist näher, als es klingt
Die lange Anreise hat mich bisher abgeschreckt. Ein ehrlicher Blick auf die Karte relativiert das: Die Pyrenäen sind weiter weg, Albanien und Montenegro liegen nahezu gleich weit entfernt, und bei Italien, Kroatien oder Frankreich sparst Du nur ein paar Kilometer. Wir sind Freitags um 13 Uhr in Nürnberg gestartet, mit Camper-Van und Trailer. Das schont Reifen, Nerven, Geldbeutel und Familienkalender. Als Basis hatten wir Cluj-Napoca im Herzen Rumäniens ausgemacht. Gute Anbindung, mittig zum Track, aber nicht direkt daran, und damit gut vereinbar mit dem ersten und letzten Fahrtag. Obendrein ließ sich der Trip so ein eine Woche plus zwei Wochenenden packen. Wichtig, wenn es darauf ankommt mit möglichst wenig Urlaubstagen die Distanz zu meistern.
Nicht beachtet hatten wir in der Terminfindung den Heimaturlaub-Verkehr in Richtung Ungarn. Am Freitag kamen wir nur bis kurz hinter die ungarische Grenze. Der Campingplatz dort, direkt an einem Seitenarm der Donau, war dafür der Oberhammer: Kompász Kemping. Am Lagerfeuer und bei Musik haben wir viele Kanuten getroffen, die dort Rast gemacht haben. Ein kleiner Snack und ein paar Getränke haben den Abend nach der langen Fahrt abgerundet. Der Besitzer spricht perfekt deutsch und ist „eine echt coole Socke“.
Am Samstag ging es um kurz nach Sieben weiter, mit Stau bis Budapest. Dann Entspannung, bis die Autobahn in Rumänien etwa 20 Kilometer hinter der Grenze aufhört. Danach beginnt das Schlagloch-Paradies, mit Auto und Anhänger eine Katastrophe. Hier werden Spann- und Zurrgurte auf eine sprichwörtliche Zerreißprobe gestellt. Die im Rückspiegel immer größer werdenden LKW machen das Fahren hier nicht angenehmer.
Tipp: Wer von Westen nach Cluj-Napoca will, nimmt die südlichere Route. Sie ist ca. 80 Kilometer länger, aber auf der Autobahn in Rumänien darfst Du unter bestimmten Voraussetzungen mit Anhänger 120 km/h fahren. Das holt die Mehrstrecke schnell wieder rein und schont das Nervenkostüm.
In Cluj haben wir gegen 18 Uhr die Bikes abgeladen und sind noch ein Stück Richtung des offiziellen Startpunkts des ACT Rumänien gefahren. Auto und Trailer standen die Woche sicher bei Christe Retreat. Irina ist eine wundervolle Gastgeberin, die idyllische Unterkunft könnte auch für einen Wanderurlaub im Sommer taugen.
Wir haben noch ca. 100km von unserer Uhr genommen in Richtung Norden. Unsere erste Nacht in Rumänien verbrachten wir im Natura Chalet in Gâlgău, bei Vermietern, die uns auf der Veranda empfangen und umsorgt haben. Super herzliche Leute und eine Unterkunft etwas abseits der Straße, wo die Bikes sicher im Garten stehen konnten.

Tag 1: Straße, Dörfer, Tracht
Auf dem Weg zum Start nahmen wir noch einen kleinen Pass mit, der auf der Karte keine Ausreden akzeptiert hat. Die Kurven schlängeln sich einen Berg hoch, der keine Wünsche offen lässt. Diese kleine „Detour“ von ca. 25km hat sich definitiv gelohnt!
Den offiziellen Track starteten wir Punkt 12 Uhr am Kloster in Barsana, wo wir noch Teile eines Gottesdienstes erleben durften. Absolut imposant, so viele Menschen in wunderschöner Tracht bei der Feier zu sehen.
Tag 1 ist fast ausschließlich Straße, und wir mussten uns erst an den rumänischen Verkehr gewöhnen. Ortschaft oder Landstraße macht auf dem Tacho der Einheimischen keinen Unterschied. Das fühlt sich für Westeuropäer zunächst etwas wild an, mit Motorrädern lässt sich aber gut mitschwimmen. Was mir sofort auffällt: Zwar geht es hier im Straßenverkehr zu wie im wilden Westen, dennoch habe ich das Gefühl, dass die Autofahrer jederzeit auf uns Biker achten. Es klingt absurd, aber es hat sich dennoch einigermaßen sicher angefühlt. Merker an mich selbst: Das ist nichts für eine größere Gruppe, die zusammenbleiben will und soll. Gruppen größer als 3-4 Biker werden es hier tendenziell schwer haben.
Der Tag führt durch unzählige Dörfer. Es war Sonntag, und wir sahen viele Menschen in klassischer Tracht. Die Menschen winken, die Holzbauwerke gehören zu den schönsten Bildern der Reise. Tradition wird hier noch groß geschrieben und es fühlt sich wie eine kleine Zeitreise an. Am Ende von Tag 1 haben wir in Vatra Dornei übernachtet. Dort gibt es unzählige Hotels und Unterkünfte. Wir hatten leider etwas Pech bei der Auswahl, daher hier keine Empfehlung.

Tag 2: Rally-Feeling
Lange Offroad-Passagen, recht schnell fahrbar, leichtes Rally-Feeling. Nicht sehr technisch, aber anspruchsvoll, weil die Distanz hoch ist und gerade die schnellen Stücke volle Aufmerksamkeit fordern. Geschwindigkeiten um die 100 km/h auf Schotterautobahnen prägen hier den Tagesablauf. Es macht Spaß die Strecke zu fahren, aber auch an Tag 2 ist mir recht schnell klar, dass dieses Geläuf nicht für den klassischen MotoMinds RIDE geeignet ist. Dafür ist der Tag zu hart, zu lang, zu staubig. Die Übernachtung haben wir in Sighișoara im Hotel Imperial, von dem aus Du die Altstadt zu Fuß erkundest. Dieser Spaziergang tut nach dem langen Tag in den Rasten richtig gut, die Altstadt mit seinen kleinen Lokalen ist definitiv einen Ausflug wert und Du hast die Wahl zwischen klassisch rumänischer Küche oder der weltlichen Pizza.

Tag 3: Viele Kilometer, wenige Betten
Wieder ein langer Fahrtag. Filmen, Fotografieren und Drohnenflüge kosten Zeit, sind aber auch elementarer Bestandteil der Scouting Tour. Das hat den Fahrtag wieder in die Länge gezogen, wir waren erst gegen 17:30 Uhr am Ziel. Wichtig vorab: Es gibt dort sehr wenige Unterkünfte.
Fahrerisch ist Tag 3 geprägt von schönen, kleinen Asphalt-Strassen, einer Fluss Überquerung an einem tollen Picknickplatz zur Mittagszeit und kleinen, rutschigen Feldwegen. An diesem Tag hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass die Routenführung für einen Trip auf der Suche nach Klarheit passt. Fahrerisch war der Tag nicht zu anspruchsvoll, die Landschaft hatte eine magische Wirkung auf mich. Hier kann ich mir gut vorstellen in der Natur innezuhalten und sich mit den wirklich relevanten Fragen auseinander zu setzen.
Auf den Weiten oberhalb der Ortschaften trifft man immer wieder auf Schäfer und ihre Herden. Die Hütehunde haben es hier in sich, ein Rudel von 6-8 Hunden ist da keine Seltenheit. Die Tiere kommen oft aus dem Nichts angeschossen, machen mächtig Getöse, halten aber dennoch einen respektablen Abstand. Dennoch kann einen das etwas aus der Ruhe bringen, so dass bei der Flucht vor den Tieren auch das Material ein wenig gelitten hat.
Der ACT RO Tag 3 endet ziemlich im Nirgendwo. Die Landschaft ist verrückt, es erinnert etwas an die Hochplateaus von Kroatien, Bosnien oder auch Napoleon’s Livigno. Im Winter ist das hier sicherlich der perfekte Ort für einen Rückzug auf der Suche nach sich selbst.
Suche ist das Stichwort — es war gar nicht so leicht eine Unterkunft zu finden. Wir hatten Glück mit einer frisch eröffneten Pension in Mărișel (Pensiunea Roua Brazilor), geführt von einer jungen Familie, die die Pension gerade aufbaut. Es gibt dort weit und breit kein Restaurant, also wurden wir gefragt, ob wir abends mitessen wollen. Es war das beste Essen seit langem. Für zwei Personen haben wir für Essen und Getränke knapp über 20 Euro bezahlt – eines der kulinarischen Highlights der Reise.

Tag 4: Schlammschlacht
Zwischen Tag 4 und Tag 5 hat es geregnet, viel, sehr viel. Daher haben wir morgens in aller Ruhe gefrühstückt und die Regenwolken erst wegziehen lassen. Drei andere ACT-Fahrer, mit denen wir in Kontakt standen, hatten den Regentag als Ruhetag genutzt. Daraus entstandt die Idee, sie abends am Fuß der Transalpina zu treffen. Geteilte Freude ist doppelte Freude.
Gegen 10h30 begann die Schlammschlacht. Vier Kilometer nach dem Start ging es ins Gelände: Schotter, Schlamm, Pfützen, die an die Mecklenburger Seenplatte erinnerten. Und das nicht wie auf anderen ACTs mit 10 bis 15 Kilometern Offroad zwischen den überwiegenden Asphalpassagen, sondern feinstes Offroad am Stück im Dreck. Ein paar Anstiege hatten es in sich – somit wieder die Erkenntnis, dass das nichts für ungeübte Fahrer ist oder auch nichts, wo ich guten Gewissens mit einer Gruppe mir unbekannter Fahrer rein fahren würde. Sicherheit steht an erster Stelle, ohne Wenn und Aber.
Die Verbindungsstücke auf der Straße sind geschwungen und laden zum Kurvenräubern ein. Du musst Dir dabei immer wieder vor Augen halten, dass Grobstoller drauf sind und wir im öffentlichen Straßenverkehr unterwegs sind. Dazu kommen Warnschilder, die auf Bären hinweisen. Das fährt im Kopf mit, besonders dort, wo vermeintlich leichte Feldwege durch schweres Gerät der Waldarbeiter zu ordentlichen Schlammlandschaften verarbeitet wurden. Technisch nicht allzu wild, aber extrem ausgefahren und schlammig. Einige Abschnitte lassen sich nur mit beherztem Zug am Gasgriff überwinden. Definitiv nichts für Anfänger und auch nichts für zu große Gruppen.
Tag 4 ist in meinen Augen der schwerste Tag des gesamten Tracks, zumindest bei der Witterung, die wir hatten.

Abends trafen wir am Campingplatz die anderen Fahrer. Es ist verrückt – eigentlich kennt man sich gar nicht, aber der Draht ist sofort da. Viel geredet, gelacht, gemeinsam gegessen und getrunken. So ist die Biker Community einfach. Und was mich am meisten begeistert, immer wieder: Jeder darf so sein, wie er oder sie sein will. Keine Verurteilung, kein Wettkampf, es sind einfach alle mit dem gleichen Ziel unterwegs: Eine gute Zeit haben.
Die Zeit rannte im Flug, auf einmal wurde es dunkel und irgendwie auch Zeit eine Bleibe zu finden. Übernachtet haben wir in der Odaia Vânătorului Transalpina: Volltreffer bei Unterkunft, Freundlichkeit und Essen. Die Bikes standen videoüberwacht und vom Zimmer aus einsehbar, und das Jacuzzi nach dem Tag im Schlamm und Regen war der Kracher. Die Vermieterin arbeitet hauptberuflich als Krankenschwester und erzählte uns voller Sorge von Unfällen auf den Pässen von Tag 5. Wir mussten ihr versprechen, vom Endpunkt eine Nachricht zu schicken.
Resume Tag 4: Ein toller Tag, eine tolle Strecke, dennoch auch hier die Erkenntnis, dass es einfach „too much“ für einen RIDE ist. Mein Ziel ist es, dass jeder und jede sicher und heile am Ende der Tour nach Hause kommt. Hier waren einfach zu viele Herausforderungen auf der Strecke.
Tag 5: Transalpina, Strategica, Transfăgărășan
Tanken, dann rauf auf die Transalpina. Eine irre Motorradstrecke, sehr viele Straßenbikes aller Nationen, deutlich touristischer. Die Kurven sind der Wahnsinn, ehe sie Richtung Strategica abbiegt: über Berge und Gipfel rollen, auf 4x4er und Tierherden treffen. Dort kommt der normale Tourist nicht hin. Fahrerisch mit etwas Offroad-Erfahrung gut machbar, aber wieder eine sehr hohe Distanz an diesem Fahrtag. Die Ausblicke rauben einem den Atem.

Am Fuß des Transfăgărășan (von Top Gear zum schönsten Pass Europas gewählt!!) haben wir alle Kameras scharf gemacht, damit wir auf dem Weg nach oben nicht anhalten müssen, falls wir freilebende Bären sehen. Schließlich ist diese Straße dafür bekannt, dass am Rand Meister Petz und seine Freunde sitzen. Hochwärts sahen wir zwei Braunbären, aus sicherer Distanz. Autos hatten angehalten, Smartphones waren gezückt. Die Worte der Vermieterin vom Morgen hatten allerdings Eindruck hinterlassen: Nicht mit dem Bike stehen bleiben, kein Selfie mit Bär. Die Tiere wirken ruhig und friedlich. Aber der Eindruck täuscht. Es sind und bleiben wilde Raubtiere, die Tatsache, dass sie Nahrung aus den Fenstern der Autos gewohnt sind, macht sie wahrscheinlich sogar gefährlicher als andersherum. Mein Respekt war groß, ich habe lieber aus der Entfernung geschaut.
Dann die letzten 15 Kilometer Transfăgărășan. Gänsehaut. Seit ich vor vielen Jahren von diesem Pass gehört hatte, wollte ich ihn befahren. Die Kurven schlängeln sich höher und höher, und oben angekommen, fühlt es sich fast surreal an. Diesen Moment habe ich mit der Drohne festgehalten, es war der absolute Wahnsinn. Glücksgefühle!

Den Endpunkt eines zuvor geplanten Tracks zu erreichen, ist etwas Besonderes. Auch wenn es für viele nur eine Koordinate ist, für mich war das auch eine Erinnerung an meine Heilungsreise vor knapp 18 Monaten. Den Pass hoch hatte ich ein paar Momente, wo mir die Tränen in die Augen geschossen sind, dieses Gefühl von Freiheit und Zufriedenheit ist besonders. Oben angekommen, brauchte ich ein zwei Minuten, bevor ich meinen Helm abnehmen konnte – ich brauchte einfach den Moment für mich.
Dieses Gefühl möchte ich den Teilnehmenden auf den MotoMinds RIDEs ermöglichen, dieser Moment der absoluten Befreiung. Hier oben war mir aber klar, dass ein EXPEDITION RIDE in Rumänien nicht über den (gesamten) ACT führt. Dafür ist der Track zu anspruchsvoll und zu sehr auf erfahrene Offroader ausgelegt.
Mit meinem Kumpel und Wingman habe ich den Moment genossen und dann sind wir über die Südseite weitergefahren, die offener und weiter ist. Goldene Stunde, irres Licht, eine unwirkliche Weite. Getragen von der Seligkeit des gerade erlebten, ging es runter vom Pass. Ein Moment, der sich für immer ins Gehirn und Herz einbrennt.
Dann stand auf einmal der nächste Bär vor uns, keine zwei Meter entfernt. Genau das Szenario, das ich vermeiden wollte. Hinter einer Kurve, rechts ein Wohnmobil, von vorne ein Auto, dazwischen der Bär. Wir mussten anhalten und dann einigermaßen beherzt vorbei. Ein majestätisches Gefühl, so ein wildes Tier in freier Bahn zu treffen. Erst auf den Videoaufnahmen später nehme ich so richtig wahr, wie nah ich dem Bären war.

Fünf Kilometer später kam der Nächste, der sich gerade etwas an einem Auto geholt hatte und im Wald verschwand. Welcome to Siebenbürgen! Die Nacht verbrachten wir in Arefu bei Mario im El Monte Transfagarasan. Mario hat unsere Motoren gehört und öffnete beim Ankommen sofort den Innenhof, sodass die Bikes sicher standen. Er ist selbst Biker und passionierter 4x4er, hat eine Zeit in London gelebt und ist eine total liebenswerte Haut. Klare Empfehlung, falls Ihr eine Unterkunft braucht. In unmittelbarer Nähe gibt es ein paar Transsilvanische Restaurants – Speisen wie Graf Dracula. Sehr stilecht, es riecht überall nach Holzkohle, Feuer und leckerem Essen.

Rückreise zum Auto und Trailer
Der ACT Rumänien ist abgefahren, viele tolle Erfahrungen, Erinnerungen und Aufnahmen sind gemacht und das Scouting hat ein Ergebnis gebracht – wenn auch nicht das, was erhofft war. Freitag früh sind wir über Land zurück zu Auto und Trailer gefahren. Es ging durch Orte, die an die Kur-Orte Tschechiens erinnert haben, K. u. K. Romantik pur. Eine Regenfront hat uns mittags die Strecke versaut, also nahmen wir die letzten 150 Kilometer über die Autobahn, für Motorräder in Rumänien übrigens mautfrei. Um 15 Uhr haben wir aufgeladen, in Cluj gegessen und Vorräte für die Fahrt in die Heimat gekauft.
Samstag 6 Uhr ging es los, um dem Reiseverkehr auszuweichen. 1.400 Kilometer in 15 Stunden, mehr oder weniger am Stück. Als ich um 21 Uhr den Wagen daheim abstellte, war ich körperlich fertig, aber mein Geist war supercharged. Genau darum geht es bei MotoMinds.
Fazit der Scouting Tour: Großartiges Land, großartige Leute, großartige Route. Der ACT Rumänien ist ein Brett. Die Landschaft, die Menschen, die Unterkünfte und das Essen waren einmalig, und die Transfăgărășan-Südseite im Abendlicht bleibt lebenslang in meinen Erinnerungen.
Für MotoMinds ist er trotzdem zu anspruchsvoll, dafür ist es einfach eine Schippe zu viel.
Die Gründe:
- Die Distanzen. Lange Fahrtage, wenig Pausen, und wer filmt oder fotografiert, kommt spät an.
- Die langen Offroad-Stücke. Keine 10 bis 15 Kilometer, sondern Stunden am Stück, bei Regen Schlamm und ausgefahrene Waldwege. Der Track ist als Mittel bis Hart eingestuft. Tag 4 war nichts für Einsteiger.
- Wenige Unterkünfte. An manchen Tagen bleibt Dir kaum eine Wahl.
- Wilde Natur. Wilde Bären. Ein Faktor, den Du auf dem Motorrad nicht wegdiskutierst.
MotoMinds braucht Strecken, bei denen das Motorrad Mittel ist, nicht Ziel. Wer den ganzen Tag mit Schlamm, Distanz und Aufmerksamkeit kämpft, hat keinen Kopf mehr frei für Klarheit. Der Track gehört deshalb nicht ins Programm, und er bleibt auf meiner Liste der Strecken, die ich privat wieder fahren werde.
Warum ich das so offen und so direkt teile? Weil mir die Menschen wichtig sind und jeder sicher und wohlbehalten daheim ankommen soll.

Hinweise zum Track (falls Du ihn für Dich doch fahren willst)
- Der Track wird im Quervergleich mit anderen ACTs als fortgeschritten und überwiegend Mittel bis Hart eingestuft. Dem stimme ich zu. Er ist nicht so technisch wie der ACT Montebania oder der ACT Pyrenäen, braucht aber wegen der Distanzen und der langen Offroad-Passagen Erfahrung – wenn man in dem 5 Tage Raster bleiben will.
- Als langsamer Fahrer oder Einsteiger brauchst Du deutlich mehr Zeit und darfst Dich nicht hetzen lassen.
- Tanke jeden Tag voll. Gerade an Tag 3 war das wichtig. Reichweiten von 250km solltest Du bewältigen können.
- Entlang des Tracks gibt es einige Trinkwasserquellen, praktisch für den Trinkrucksack.
- Wir konnten überall mit Karte zahlen. Bargeld haben wir nicht gebraucht.
- Deutsch und Englisch helfen nur bedingt. Google Translate war mein Freund (vorher herunterladen).
- Wir haben uns überall sicher gefühlt, und ich hatte nie Sorge um unsere Sachen. In Frankreich war das ganz anders.
- Unterkünfte findest Du sehr kurzfristig über Booking oder AirBnB. Allerdings nicht für größere Gruppen.
- Im Grenzgebiet zur Ukraine haben wir im Juli 2026 keine Checkposten gesehen. Es fühlte sich ruhig und sicher an.
- Kulinarisch ist das Land ein Fest, für Vegetarier und Veganer schwierig, Lebensmittelunverträglichkeiten können hier herausfordernd werden.
- Bei Anreise mit Anhänger: (Digitale) Maut nicht vergessen. Ungarn und Rumänien haben mit Anhänger unterschiedliche Tempolimits auf der Autobahn.
Wer den Balkan mag, wird Rumänien lieben.
Wer mehr wissen will, meldet sich bei mir. Der Film zur Reise wird im Winter 26/27 geschnitten und veröffentlicht.
Herzlichst,
Franz-Josef
